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November 13, 2012

Neuronale Grundlagen des Lippenabsehens

In lauten Umgebungen nutzen auch gut Hörende oft unbewusst das Lippen absehen, um besser kommunizieren zu können. Probieren Sie einfach einmal bei einer Bestellung in einer sehr lauten Umgebung, wie zum Beispiel einer Discothek, etwas ohne Stimme nur mit Lippenbewegungen zu bestellen. Dies klappt fast immer, denn Ihr Gegenüber kennt die relevanten Lippenbewegungen für die am häufigsten bestellten Getränke. Das Sprachverstehen verbessert sich also durch die kombinierte Verarbeitung der auditiven und visuellen Informationen.

Hörgeschädigte sind oft auf das Lippenabsehen angewiesen: Hier wird versucht, das gesprochene Wort von den Lippen abzusehen. Bei bestehenden Hörresten gelingt dies vielen Hörgeschädigten relativ gut. Bei kompletter Taubheit ist es leider nur den wenigsten möglich, mit dem Lippen absehen alleine aus zu kommen. Man kann ca. 30 Prozent der deutschen Sprache absehen, der Rest muss kombiniert werden. Auch sehen einige Buchstaben beim Absehen gleich aus: So ist es nicht möglich zu unterscheiden, ob der Gegenüber gerade über die Butter oder die Mutter spricht.

Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften haben die neuronalen Grundlagen des Lippenabsehens mit Hilfe von funktionellen Kernspintomographien untersucht. Genauer gesagt, haben sie herausgefunden, dass visuelle und auditive Informationen im sogenannten oberen temporalen Sulcus des Gehirns miteinander verknüpft werden. Je größer die Aktivität in dieser Region des Schläfenlappens ist, desto besser werden Wörter und Lippenbewegungen zugeordnet.

Pressemeldung des Max-Planck-Instituts

Englischsprachiger Fachartikel in der Zeitschrift NeuroImage

Kommunikation: Guten Morgen wird gehört und abgesehen