Doch wieder hören?
Die Zeit vor der Ertaubung, vor allem wenn diese schleichend oder mit Hörstürzen verbunden ist, belastet stark. Es ist nicht klar, wie es weitergeht. Wird man mit dem nicht mehr hören zurecht kommen? Erst seit 20-30 Jahren macht es die medizinische Forschung möglich: Gehörlose und Ertaubte werden zu Hörenden. Wer nun allerdings glaubt, dass mit dem medizinischen Fortschritt das frühere Hörvermögen oder gar optimales Hören erlangt wird, macht sich zu viele Hoffnungen. Die besten Höreindrücke, in etlichen Fällen sogar verbunden mit dem Erreichen von Sprachverständnis ohne die Zuhilfenahme des Lippenabsehens (also z.B. die Fähigkeit zu telefonieren), werden mit dem Cochlear Implantat (CI) erreicht. Das Cochlear Implantat kann nur implantiert werden, wenn der Hörnerv intakt ist, also "nur" das Ohr an sich selber nicht mehr funktioniert. Weitere Voraussetzungen müssen erfüllt sein - so wird z.B. an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bei einem mehrtätigem stationären Aufenthalt untersucht, ob eine Implantation möglich ist. Wie auch die anderen folgenden Implantate wird das CI stets weiterentwickelt. Ausführliche Informationen zum CI inkl. eines langen Erfahrungsberichts finden Sie hier. Ist nur das Ohr selber betroffen, gibt es je nach der Ursache noch weitere Implantate, die hier aber nicht aufgeführt sind.
Wenn der Hörnerv geschädigt ist oder gar ganz fehlt, kann bei intaktem Hirnstamm unter bestimmten Voraussetzungen ein Auditory Brainstem Implant (ABI) an den Hirnstamm angelegt werden. Es ist also ein tieferer Eingriff, der bisher weltweit ca. 300-400x durchgeführt wurde. Ein Sprachverständnis wird mit dem ABI nur selten erreicht. Jedoch kann ein ABI zusammen mit etwas Talent zum Lippenabsehen gute Kommunikation ermöglichen. Man versuchte seit 2002 (und versucht z.T. noch in den USA) das ABI in der Implantationsart weiterzuentwickeln. ABIs erzielen besonders bei Nicht-NF2-Implantationen sehr gute Ergebnisse - dies wird momentan auf den nicht durch Tumordruck belasteten Hirnstern zurückgeführt.
Das Penetrating Auditory Brainstem Implant (PABI) wird in den Hirnstamm gesteckt, da man vermutet in den Schichten des Hirnstamms besser die Signale an die einzelen Frequenzbereiche verteilen zu können. Hierbei hat man nur einen Versuch, während bei der Implantation des ABI während der Operation die Funktionsfähigkeit des ABI an mehreren Stellen getestet werden kann. Die Ergebniss des PABI erfüllen nicht die Erwartungen. In den USA wurde im Frühjahr 2008 das zehnte und letzte PABI implantiert.
Seit 2006 wird ein neues Implantat, das Auditory Midbrain Implant (AMI) getestet. Das AMI wird in die Hörhügel im Mittelhirn gesteckt, greift also später als das ABI in den Hörprozess ein. Bisher wurden fünf Implantate weltweit implantiert - dies ist momentan ausschliesslich möglich in einer Operation in Hannover, die zusammen von Prof. Lenarz und Prof. Samii durchgeführt sind. Die ersten Ergebnisse sind durchwachsen bis vielversprechend und zeigen Ergebnisse auf gutem ABI-Niveau. Ein weiterer Vorteil ist die Implantation in einem Gebiet, welches normalerweise nicht im Hörnerv-Berich liegt. Dadurch wird die Stimulation in einem fortgeschritteren Teil des Hörsystems jedoch schwieriger.
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