Kommunikation, aber wie?

Kommunikation ist auch nach einer schweren Hörschädigung oder einer Ertaubung unabdingbar, gar lebensnotwendig. Aber wie kann man kommunizieren, wenn man den anderen akustisch nicht mehr versteht? Glücklicherweise gibt es inzwischen mannigfaltige Wege, doch wieder mit anderen kommunizieren zu können. Einen Überblick dazu möchte ich hier vorstellen:

- Lippen absehen: Das Lippen absehen wird häufig überschätzt. Sicherlich gelingt es einigen, vor allem, wenn noch ein wenig Restgehör da ist, ausgezeichnet mit Lippen absehen zurechtzukommen. Bei kompletter Taubheit ist es leider nur den wenigsten möglich, mit dem Lippen absehen alleine auszukommen. Man kann ca. 30 Prozent der deutschen Sprache absehen, der Rest muss kombiniert werden. Auch sehen einige Buchstaben beim Absehen gleich aus: So ist es nicht möglich zu unterscheiden, ob der Gegenüber gerade über die Butter oder die Mutter spricht.  Die Kenntnis des Gesprächsthemas spielt dabei eine große Rolle. Vor allem am Anfang ist Lippen absehen mit einem hohen Maß an Konzentration verbunden. So kann auch eine gemütliche Plauderei zum Hochleistungssport werden. Zum guten Lippenabsehen sollten die Kommunikationsbedingungen möglichst optimal sein: 1) Genügend Licht 2) Nicht gegen die Sonne schauen 3) möglichst keine Tür im Rücken, die während des Gesprächs aufgehen könnte 4) der Kommunikationspartner sollte vor dem Gespräch darauf hingewiesen werden, wie er am besten sprechen sollte 5) Personen ohne Bart kann man leichter von den Lippen absehen.
Auf ertaubt.de finden Sie den weiterführenden ausführlichen Bericht  "Verstehen durch Sehen" zum Download, der Deutsche Schwerhörigenbund e.V. hat ein umfassendes Online-Buch " Wer nicht hören kann muss (ab-)sehen" veröffentlicht.

- Deutsche Gebärdensprache DGS: Nach dem Erlernen der Gebärdensprache ist eine gemütliche Kommunikation wieder möglich. Dabei ist das Lernen der Gebärdensprache gar nicht so schwierig, wie man sich das allgemein vorstellt. Der Haken ist jedoch, dass die Gebärdensprache von den wenigsten gesprochen wird. Oft versuchen neben der eigenen Familie auch die Freunde die Gebärdensprache zu erlernen, das ist natürlich fantastisch und bietet somit auch Gelegenheiten kontinuierlich zu üben und seine eigenen Kenntnisse zu verbessern. Je nach Umfeld kann man schon innerhalb eines halben Jahres zum Gebärdensprachprofi werden. Tipp: Online-DGS-Lexikon des Instituts für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser der Universität Hamburg. Zweiter Tipp: Kestner versucht ein Standardwörterbuch der Gebärdensprache auf DVD zu etablieren.

- Lautsprachebegleitende Gebärden LBG: Die meisten Ertaubten entscheiden sich für das Lernen der Lautsprachenbegleitenden Gebärden. Während die Deutsche Gebärdensprache DGS eine eigene Grammatik mitbringt und dadurch ein schnelleres Kommunizieren möglich ist, unterstützt LBG die lautsprachliche Kommunikation. LBG ist für frühere und aktuell Hörende leichter zu erlernen. Die meisten Gebärden sind in DGS und LBG gleich, so dass auch eine Kommunikation möglich ist, wenn die Kommunikationspartner nicht die "gleiche" Gebärdensprache sprechen. Natürlich gibt es wie in der Lautsprache auch in der Gebärdensprache regionale Dialekte. Da die Gebärdensprache kulturabhängig ist, hat auch jedes Land seine eigenen Gebärden. Beispielsweise wird in den USA mit der American Sign Language ASL kommuniziert.

- Fingeralphabet: Das Fingeralphabet dient in der Gebärdensprache der Darstellung von Eigennamen, Fremdwörten sowie allen Wörtern, für die man keine Gebärde kennt. Das Fingeralphabet kann man sehr schnell erlernen, so dass ein Verteilen des Fingeralphabets im Freundes- und Kollegenkreis sinnvoll ist. Meist genügen die ersten drei oder vier Buchstaben, um auf das vollständige Wort zu kommen. Das Fingeralphabet eignet sich gerade bei einer frischen Ertaubung zur ersten Kommunikation, wenn kein Stift und Papier zur Hand sind. Hier können Sie das Fingeralphabet (jpg-Format) downloaden) .

- Gebärdendolmetscher: Gebärdendolmetscher gebärden simultan das gesprochene Wort mit. Vorteil des Gebärdendolmetschers gegenüber dem Schriftdolmetscher ist die Geschwindigkeit: Mit DGS kann sehr schnell gebärdet werden, oft ist somit eine reduzierte Redegeschwindigkeit des Sprechers nicht mehr notwendig. Exzellente Gebärdenkenntnisse sind jedoch erforderlich.

- Schriftdolmetscher: Schriftdolmetscher schreiben simultan das gesprochene Wort mit. Oft wird dabei ein Beamer benützt, damit das Getippte von allen Beteiligten gelesen werden kann. Eine umfangreiche Liste mit Schriftdolmetschern finden Sie im Internet. Einige Schriftdolmetscher finden Sie hier.

- Arbeitsassistenz: Unterstützung im Berufsalltag für kommunikationstechnische Belange kann beantragt werden. Weitere Infos folgen.

- Telefonieren mit Tess/TeSign: TeSS ist ein Vermittlungsdienst sein. Das heißt, dass man über TeSS Telefonate mit den Schriftdolmetscher/innen oder Gebärdensprachdolmetscher/innen der jeweiligen Relay-Dienste führen kann. Direkte Telefonate über TeSS mit anderen hörgeschädigten Menschen werden nicht möglich sein. TeSS vermittelt berufliche und private Gespräche vermitteln. Monatlich kostet TeSS zurzeit 5 Euro, die Gesprächsminute kostet 14 Cent pro Minute. Wirklich empfehlenswert und unkompliziert erleichtert TeSS das Alltagsleben umgemein. Arzttermine vereinbaren, mit Freunden unterhalten oder einfach eine Pizza bestellen! Alles schon ausprobiert, Nachahmer erwünscht! Link zu TeSS

- SMS/MMS: Klar, vor allem SMS sind bei uns sehr beliebt. Günstige Konditionen gibt es bei den Online-Tarifen der Netzbetreiber sowie den Discount-Prepaidanbietern. Tipps folgen!

- Chatten: Chatten ist salonfähig und eine hervorragende Möglichkeit, sich zu unterhalten. Zu empfehlen sind besonders ICQ und Skype. Klasse ist die Nutzung einer Webcam bei Skype: Wenn man schon die Stimme nicht hört, kann man sich wenigstens sehen. Lippenabsehen über Webcam klappt nur bedingt, aber mit den immer besseren Webcams und höheren Uploadgeschwindigkeiten wird es mittelfristig einfacher.

 

Tipps zur Kommunikation finden Sie z.B. auch auf den Internetauftritten Schwerhörigen-Netz und Typolis

 
www.tchibo.de