Update: Deutsche Spracherkennungs-App fürs Iphone, den Ipod und das Ipad

Bereits im Dezember war die englischsprachige App Dragon Dictation erhältlich (ertaubt.de berichtete), ab Freitag wird voraussichtlich auch die deutsche Version verfügbar sein, anfangs sogar kostenlos. Die FAZ hat sich Dragon Dictation vorab bereits genauer angeschaut und beurteilte die Texterkennungsrate wesentlich besser als bei Google Android.

Ertaubt.de hatte inzwischen ausführlich Gelegenheit, Dragon Dictation zu testen. Zum Einsatz kam und kommt dabei ein Ipod Touch mit externem Belkin TuneTalk Stereo Mikrophon und Mifi-Box mit Internetflaterat. Dieses Mikrofon eignet sich besonders gut, da man es einfach an den Ipod anstecken kann und der Sprecher leicht erkennen kann, wo er sprechen soll. Das externe Mikrofon hat zudem eine deutlich höhere Reichweite als das integrierte Iphone-Mikrofon.

Die Erkennungsrate schwankt je nach Sprecher, Geräuschkulisse und Internetverbindung zwischen zufriedenstellend und hervorragend. Eine klare Kaufempfehlung wäre übertrieben, aber es ist definitiv ein großer Schritt vorwärts. Die Kommunikation wird zudem noch etwas verbessert, da bisher alle beim Testen des Gerätes langsamer und deutlicher gesprochen haben. So verstand ich durch Absehen einige Leute wesentlich besser, die ich früher nie verstanden hatte. Dragon Dictation erkennt meines Erachtens öfters mehr, als ich Absehen kann: Dies gilt insbesondere dann, wenn seltenere Wörter genutzt werden, in nicht verlangsamtem Redetempo oder leise gesprochen wird. Da Dragon Dictation nicht Nachfragen kann, kommuniziere ich meist trotzdem ohne Dragon Dictation etwas schneller. Absehen plus Dragon Dictation ermöglicht in einigen Situation eine sehr gute Kommunikation.

Sobald weitere persönliche Erfahrungen vorliegen, wird ertaubt.de natürlich wieder darüber berichten. Gerne veröffentlicht ertaubt.de auch Ihre Anwendungsberichte.

 

Voice Carry Over jetzt auch bei TeScript

Hand aufs Herz: Das ist eine Funktion, auf die ich lange gewartet habe! Eigentlich war es paradox: Bisher musste man auch das, was man selbst beim Telefonieren sagte, ins TeScriptfenster eintippen. Die Tessdolmetscher haben dem Angerufenen dann den Text vorgelesen. Dies hatte logischerweise zwei Nachteile: Erstens war das Telefonieren einfach unpersönlicher (meine Oma sagte oft: "Die Damen von Tess haben angerufen und gesagt, dass Du vorbeikommst.") und zweitens natürlich langsamer, da nicht jeder in Sprachgeschwindigkeit tippen kann.

Voice Carry Over ist noch nicht das Gelbe vom Ei, jedoch hat Tess ein prima Workaround gefunden: Man nutzt einfach das Telefon parallel, spricht dort hinein und kann am Computerbildschirm den transkribierten Text des Angerufenen lesen.

Info-PDF von Tess zum Thema Voice Carry Over bei TeScript

 

 

Spenden durch Einkaufen

Gerne freuen wir uns über Spenden, die komplett hochgradig Hörgeschädigten und Ertaubten zu Gute kommen. Haben Sie Interesse an einer Spende, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf. Je nach Einsatzzweck ist eíne Spendenquittung möglich.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen einige Online Shops ans Herz legen, bei denen Ertaubte und Hörgeschädigte gerne einkaufen. Die beim Einkauf über diesen Internetauftritt erhaltenen Provisionen kommen hochgradig Hörgeschädigten und Ertaubten zu Gute. Weiterhin werden sie im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit für Ertaubte eingesetzt und an Selbsthilfegruppen für Ertaubte gespendet. Über den Einsatz der Spenden wird in Zukunft jeweils berichtet (Spenden 2008).

Ein alphabetischer Überblick über die einzelnen Online-Shops folgt. Vermissen Sie einen Online-Shop? Mail genügt!

 

 

 

Randnotizen - Nachdenkliches, Kurioses, Stolpersteine und Aufbauendes

Nachdem ich meine Teilnahme am Gottesdienst „Jeder Mensch ist anders! - Leben mit Behinderung“ zugesagt hatte, dies war in etwa zum 4. „Jubiläum“ meiner Ertaubung, lag es nahe, die letzten vier Jahre Revue passieren zu lassen. Dabei ist mir einiges eingefallen und die Geschichten sprudeln weiterhin. In loser Reihenfolge möchte ich deshalb an dieser Stelle Nachdenkliches, Kurioses, Stolpersteine und Aufbauendes verbreiten. Hier sind auch Anekdoten und Erfahrungen von anderen Ertaubten eingeflossen. Gerne nehme ich Weiteres auf, eine Mail übers Kontaktformular genügt!

Viel Spaß mit den Randnotizen!

  • Ertaubt zu leben ist viel einfacher, als ich dachte. Fast alle, die ich gebeten habe, deutlicher und langsamer zu sprechen sowie nicht Verstandenes (früher regelmäßig, heute unter schwierigen Kommunikationsbedingungen) aufzuschreiben, haben dies gerne gemacht.
  • Ertaubt zu leben ist viel schwieriger, als ich dachte. Warum ist das so? Ehrlich gesagt, ich kann es nicht genau beschreiben. Alles in allem, klappt es besser, wenn man die Ertaubung früh akzeptiert. Akzeptanz heißt hier aber nicht aufgeben, sondern beinhaltet den aktiven Prozess sich an die neuen Bedingungen anzupassen, selber viel zu geben, aber auch guten Gewissens einzufordern.
  • Das Leben ist schön! Eigentlich eine Binsenweisheit – trotzdem nochmal an dieser Stelle: Nicht die Medien und Mitmenschen vermitteln, was schön ist. Natürlich, man ist von der Kultur und seiner Umgebung geprägt und es ist sicherlich hilfreich, im Rahmen allgemein üblicher Werte zu leben. Ob man das Leben schön findet oder nicht, ist einem selber überlassen. Man kann die Welt nicht so verändern, wie man sie gerne hätte. Die Integration Behinderter zur Erreichung von Chancengleichheit ist in Deutschland meiner Meinung nach einfach nicht zufriedenstellend und wird sich auch kurzfristig nicht ändern. Den alleinigen Kampf gegen Windmühlen kann man nicht gewinnen. Alles Hinnehmen sollte man aber auch nicht: Also, machen wir das Beste daraus und versuchen, bei uns wichtigen Punkten nadelstichartig Integration zu fördern und zu fordern: Steter Tropfen höhlt den Stein!
  • Schaffnermimiken. Mir fällt der unkomplizierte Umgang mit anderen, nicht ertaubten Behinderten, wie wahrscheinlich vielen Menschen, nicht immer einfach. Sicher, am besten behandelt man Behinderte wie jeden anderen Menschen auch und achtet dabei auf die besonderen Bedürfnisse des Behinderten: Sprich, verhalte Dich so, dass Du den Behinderten aufgrund seiner Behinderung nicht behinderst! Falls der Behinderte nicht gleich höflich informiert, wie man sich verhalten soll, kann man ihn auch einfach fragen. Wichtig ist jetzt, nicht weiter auf die Behinderung einzugehen, sondern zum Thema zu wechseln. Das Spektrum der Reaktionen auf Behinderte ist weit gefächert, besonders spannend finde ich es im Bus oder Zug. Ertaubung ist eine unsichtbare Behinderung. Über den kurzen Moment der Vorzeigens meines Behindertenausweises zur unentgeltlichen samt Wertmarke zur unentgeltlichen Beförderung im Nahverkehr könnte man eine Doktorarbeit in allen Facetten des Facial Acting Coding Systems schreiben: Überraschung, Mitleid, Fröhlichkeit, Zweifel, Furcht, Aufmunterungsbereitschaft, usw…
  • Ausblick auf zukünftige Randnotizen:
    • Der Mensch als Krönung der Lebewesen. Schimpansen und Menschen haben zu 99% gleiche Gene. Wie groß ist der Unterschied durch 1%?
    • Keiner wars, keiner hat Schuld.
    • Diskriminierung mal aus eigener Perspektive.
    • Soll ich oder soll ich nicht?

 

 
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